Quellengattungen#

Um die Vergangenheit zu erforschen, benötigen Historiker*innen historische Quellen, in denen sie Antworten auf ihre Fragen. Auf dieser Seite erfahrt ihr, was es mit dem Begriff „Quellengattungen“ auf sich hat und wie diese euch bei der Analyse und Interpretation helfen können. Die Seite ist daher in drei Teile gegliedert:

1. Was sind Quellengattungen?

2. Welche Quellengattungen gibt es?

3. Was sagt die Gattung über die Quelle aus?

1. Was sind Quellengattungen?

Alles, was aus der Vergangenheit stammt und uns Fragen über sie in der Gegenwart beantworten kann, kann letztlich auch zu einer historischen Quelle werden. Das bedeutet auch, dass historische Quellen sehr unterschiedlich beschaffen sein können. Es gibt z.B. bildliche oder gegenständliche Quellen, schriftliche oder auditive Quellen.

All diese lassen sich in verschiedene Gruppen einteilen, welche Historiker*innen als Quellengattungen bezeichnen.

2. Welche Quellengattungen gibt es?

Da ihr im digitalen Archiv der App vor allem mit schriftlichen Quellen arbeitet, bezieht sich die folgende Übersicht vor allem auf solche schriftliche Quellen.

Beachtet bitte: Die hier vorgestellten Modelle verschiedener Quellengattungen werden in der Wissenschaft teilweise unterschiedlich definiert, auch finden sich darüber hinaus weitere Möglichkeiten Quellen zu unterteilen.

a) Epochenspezifische Quellengattungen Aus der Zeit des Mittelalters können wir vor allem auf Annalen, Chroniken, Viten, Briefe zurückgreifen, die uns bis heute überliefert sind. Für Forschungen über die neuere Geschichte liegen uns ebenso Memoiren, Autobiografien und Briefe vor, die auch als „Ego-Dokumente“ bezeichnet werden, da sie subjektive Zeugnisse darstellen.

Ebenso  wächst für die Forschung der neueren Geschichte die Überlieferung öffentlicher Schriften wie Flugblätter, Zeitungen und Zeitschriften an. Mit der Einführung von Bürokratie und Verwaltung wurden auch immer mehr Akten angelegt.  (Link zur Seite: Hauptarchiv der v. Bodelschwinghschen Stiftungen)

b) Überrest und Tradition

Zu den sogenannten Traditionsquellen zählen solche, die „absichtlich überliefert wurden“, damit sie für die Nachwelt zugänglich sind. Dazu zählen z.B. Chroniken, Autobiografien, literarische Werke usw.

Überrestquellen dagegen sind „zufällig“ also nicht geplant überliefert worden. Dazu zählen z.B. (persönliche) Briefe, Rechnungen oder Verträge.

Achtung: Die Unterscheidung zwischen Traditions- und Überrestequellen ist nicht immer leicht, oft verschwimmen die Grenzen zwischen ihnen.

c) Normative und deskriptive Quellen:

Hierbei unterscheidet man, ob die Quelle Auskunft über vergangene Wertvorstellungen und Normen (normativ) geben kann, wie dies z.B. in Gesetzestexten und amtlichen Bekanntmachungen der Fall ist; oder  ob, die Quelle mehr einen beschreibenden (deskriptiven) Inhalt besitzt, wie z.B. bei Inspektionsberichten.  

d) Selbst- und Fremdzeugnisse:

Ihr unterscheidet man die Quellen nach ihrer Perspektive und Intention: Zu den Selbstzeugnissen zählen z.B. Tagebücher, Memoiren, Briefe, da sie die Perspektive des Verfasser offen legen. Fremdzeugnisse sind dagegen Quellen, wie z.B. Gutachten, in denen die Perspektive des Verfassers zwar vorhanden ist, dem Leser aber nicht offensichtlich erscheinen.

e) Öffentliche und interne Dokumente Hier geht es darum, an wen die Quellen ursprünglich gerichtet, adressiert war. Öffentliche Dokumenten, sind daher Quellen die öffentlich verbreitet wurden, wie z.B. Zeitungen und Plakate. Interne Dokumente sind dagegen z.B. geheime Protokolle, persönliche Briefe, die nur für einen bestimmten Personenkreis vorgesehen waren.
Wie ihr seht gibt es ganz unterschiedliche Quellengattungen und Möglichkeiten, Quellen in Gruppen einzuteilen. Diese verschiedenen Gattungen überschneiden sich manchmal und oft sind sie nicht ganz eindeutig zu treffen. Wozu braucht man sie dann also überhaupt?

3. Was sagt die Gattung über die Quelle aus?

Zunächst einmal ist keine Quellengattung besser oder schlechter als eine andere. Jede Gattung ist ihre Vor- und Nachteile, dies hängt jedoch immer von eurer historischen Fragestellung ab.

Z.B. werdet ihr in einem Tagebucheintrag mehr über die individuellen Gefühle und Sichtweisen einer Person erfahren, als in einem Melderegister. In einem solchen Register könnt ihr dagegen Namen, Wohnorte und Geburtsdaten von verschiedenen Personen herausfinden.

Es gilt für euch daher immer zu prüfen, um welche Quellengattung es sich bei eurer Quelle handelt und inwieweit diese Gattung euch überhaupt die Antworten liefern kann, die ihr benötigt.

Literaturhinweise:

Handro, Saskia (2014): Schriftliche Quellen - Lesen zwischen den Zeilen. In: Sauer Michael (Hg.): Spurensucher. Ein Praxisbuch für historische Projektarbeit. Hamburg: edition Körber-Stiftung, S. 127–148.

Weiterführende Hilfen und Hinweise zur Auswertung historischer Quellen: https://www.koerber-stiftung.de/fileadmin/user_upload/koerber-stiftung/redaktion/geschichtswettbewerb/pdf/2016/arbeitsblaetter/06_Auswertung_von_Quellen.pdf