Was ist ein Archiv?[1]#


Ein Archiv ist ein Ort, an dem ihr ganz verschiedene Originalmaterialien findet, mit denen ihr die Vergangenheit erforschen könnt. Fast überall entstehen gerade in unserer heutigen Zeit unglaublich viele Materialien, die zu Archivalien werden können, wenn sie in einem Archiv landen, wie z.B.:

  • Akten von Behörden, Gerichten und Ämtern, dazu zählen auch Protokolle, Geschäftsbriefe, Urkunden, Personalakten

  • Öffentliche Materialien wie z.B. Plakate, Karten, Fotos, Zeitungen

  • Materialien von Vereinen, Firmen, Parteien, Kirchen oder bestimmten Interessengruppen

  • private Unterlagen von verstorbenen Personen, z.B. Tagebücher, Briefe, Reden, Fotos.

Irgendwann werden solche Materialien und Unterlagen nicht mehr gebraucht. Hier beginnt die Arbeit des Archivs und seiner Archivarinnen und Archivare. Diese müssen nun einschätzen, welche der  Materialien vielleicht später wichtig für die Historikerinnen und Historiker sein könnten. Diese verbleiben im Archiv und werden so aufbereitet, dass sie möglichst lange haltbar sind. Danach werden sie in das Archiv einsortiert und sicher verwahrt, oft auch eingescannt und digitalisiert, genauso wie bei den Akten, die ihr im digitalen Archiv der App findet.

Das was die Archivarinnen und Archivare für weniger wichtig halten, sortieren sie aus und vernichten es. Es sind nämlich viel zu viele Materialien, um alle aufzuheben. Das bedeutet für eure Recherche im Archiv, es kann immer passieren, dass ihr die nötigen Quellen für eure Forschungsfrage(n) nicht findet, weil sie im Archiv gar nicht vorhanden sind. Sie wurde vielleicht aussortiert und daher nicht archiviert.

Welche Formen von Archiven gibt es?#


Ein Archiv ist immer an einen bestimmten Ort oder eine bestimmte Institution geknüpft. Eigentlich hat jede Stadt ein Archiv, aber auch Firmen haben des Öfteren ihre eigenen Privatarchive. Oft sind die Archivalien eines Archivs Akten und damit Schriftstücke, aber es gibt z.B. auch reine Bild- oder Filmarchive.

Es gibt z.B.

  • Bundes-, Staats- und Landesarchive: Hier findet ihr Materialien der Regierungen, Ministerien und Behörden (Polizei, Krankenhäuser, Gefängnisse, Gerichte usw.).
  • Stadtarchive und Kreisarchive: Hier findet ihr Materialien der jeweiligen Stadt bzw. des Landkreises, also etwa Unterlagen der Bürgermeister, des Stadtrates, der Büros, der Ämter von Schulen, Theatern usw.
  • Kirchenarchive: Sie helfen vor allem bei Recherchen die sich mit Themen auf dem Land, in Dörfern usw. beschäftigen. Kirchenbücher und Taufregister gab es schon lange bevor man die staatlichen Meldebögen und Adressverzeichnisse einführte.
  • Archive von Unternehmen und Verbänden,  politischer Parteien und Parlamenten sowie Archive von Stiftungen: Dazu zählt etwa auch das Hauptarchiv der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel in Bielefeld, aus diesem zahlreiche Archivalien des digitalen Archivs der App stammen.
Auf dieser Seite erhalst du Informationen aus Archiven aus ganz Deutschland: https://www.archivportal-d.de/

Wie finde ich mich in einem Archiv zurecht?#


Die meisten Archivalien in einem Archiv sind einzigartig, das heißt es gibt sie nur ein einziges Mal auf der Welt. Aus diesem Grund muss mit ihnen sehr sorgfältig umgegangen werden, damit sie nicht beschädigt werden.[2] Ihr könnt euch in einem Archiv also nicht einfach selbst bedienen, wie das in einer Bibliothek der Fall ist. Beachtet daher folgende Schritte für euren Besuch vor Ort im Archiv:

1. Vorrecherche durchführen und Anfrage stellen:

Ihr solltet vorab genau wissen, welche Archivalien ihr benötigt und welches Archiv dafür das passende ist. Nutzt dazu z.B. auch die Internetseite des Archivs. Um im Archiv arbeiten zu dürfen, müsst ihr dort eine Anfrage per E-Mail stellen. Ihr schreibt, was für ein Thema ihr bearbeiten wollt und vereinbart einen Termin mit der Archivarin oder dem Archivar.

2. Ankunft und Vorbereitung zur Arbeit:

Wenn ihr im Archiv angekommen seid, müsst ihr euch anmelden, indem ihr aufschreibt, wer ihr seid, warum ihr da seid. Außerdem müsst ihr der Hausordnung zustimmen. Da steht unter anderem drin, dass ihr im Arbeitsraum weder essen noch trinken dürft, also schließt eure persönlichen Sachen am besten ein. Ihr könnt den Arbeitsraum verlassen, wenn ihr eine Pause machen wollt.

3.Recherche:

Habt ihr alle formellen Dinge erledigt, geht es an die Arbeit. Ihr geht mit euren Arbeitssachen in den Arbeitsraum. Es kann gut sein, dass die Archivare euch schon passende Archivalien zu eurem Thema rausgesucht haben. Wenn ihr selber nach Akten suchen wollt/müsst, dann werdet ihr von den Archivaren eine Bestandsliste und Findmittel bekommen.Die Findmittel sich quasi Bücher bzw. Ordner voll mit Inhaltsverzeichnissen zu den Akten. In den meisten Archiven gibt es aber so viele Archivalien, dass es auch sehr viele Findmittel gibt. Deshalb gibt es noch die Bestandslisten, die quasi ein Inhaltsverzeichnis für die Findmittel sind – also ein Inhaltsverzeichnis der Inhaltsverzeichnisse.

4. Auswertung der Archivalien:

Habt ihr die richtigen Archivalien ihr könnt anhand eurer historischen Fragestellung eine wissenschaftliche Arbeit schreiben.


Hier findet ihr auch zusätzlich eine Checkliste für euren Archivbesuch: https://www.koerber-stiftung.de/fileadmin/user_upload/koerber-stiftung/redaktion/geschichtswettbewerb/pdf/2018/Tipps_zur_Archivrecherche.pdf

[#1]Literaturangaben:

Körber Stiftung: Reader für Tutorinnen und Tutoren. Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten 2018/19. So geht´s nicht weiter. Krise, Umbruch, Aufbruch.

[#2] Hier findet ihr Regeln für den Umgang mit Archivalien im Lesesaal eines Archivs: https://www.koerber-stiftung.de/fileadmin/user_upload/koerber-stiftung/redaktion/geschichtswettbewerb/pdf/2018/Umgang_mit_Archivalien.pdf